Ein kurzer Überblick

Seit seinem Ursprung in Indien vor mehr als 2500 Jahren hat sich der Buddhismus in viele Teile Asiens verbreitet und verschiedene Traditionen hervorgebracht, die den Fokus je nach Epoche und Gesellschaftsstruktur auf unterschiedliche Aspekte der buddhistischen Lehren legten. Ab dem 7. Jahrhundert wurde der Buddhismus in Tibet eingeführt und die indischen Texte (damals in Sanskrit verfasst) wurden ins klassische Tibetisch übersetzt. Während der nachfolgenden Jahrhunderte fand ein reger Austausch zwischen tibetischen und indischen Gelehrten statt und viele bekannte Kommentare zu den Worten des Buddha wurden verfasst. Dieser fruchtbare Austausch endete im 12. Jahrhundert, als der Buddhismus in Indien verdrängt und ein Grossteil der vorhandenen Schriften zerstört wurde. In Tibet hingegen wurden die buddhistischen Lehren bis in die heutige Zeit überliefert und praktiziert und viele der in Indien verlorenen gegangenen Texte existieren heute noch in Form von Übersetzungen in klassischem Tibetisch.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Situation in Tibet jedoch stark verändert. Aufgrund grosser politischer Umwälzungen droht die tibetische Sprache verloren zu gehen und mit ihr ein wesentlicher Teil der Überlieferungen aus der indo-tibetischen Tradition. Wussten Sie, dass bisher weniger als 10% der tibetischen Grundlagentexte in moderne Sprachen übersetzt werden konnten? Die Tatsache, dass immer weniger Menschen über fundierte Kenntnisse des klassischen Tibetisch sowie der buddhistischen Philosophie verfügen, unterstreicht aus unserer Sicht die Dringlichkeit zu handeln.

Welche Massnahmen sind besonders wichtig?

Erhalt der tibetischen Sprache und der buddhistischen Philosophie insbesondere in bestehenden Klöstern in Indien, Nepal und Tibet, da diese die Überlieferung des Wissens sicherstellen und Nachwuchs ausbilden.

Ausbildung von interessierten Menschen in tibetischer Sprache und buddhistischer Philosophie, die den Transfer dieser kostbaren Lehren in moderne Sprachen unterstützen können.

Übersetzung der vorhandenen tibetischen Grundlagentexte in westliche Sprachen, um deren Fortbestand auch für zukünftige Generationen sicherzustellen.

Wo sehen wir unsere Rolle?

Es gibt grossangelegte Übersetzungsprojekte, die von den verschiedenen tibetischen Schulen unterstützt und gefördert werden. Eines davon ist das Projekt “84000: Translating the Words of the Buddha”, welches sich zum Ziel gesetzt hat, die tibetischen Grundlagentexte innerhalb der nächsten 100 Jahre in verschiedene Sprachen zu übersetzen und kostenlos online zugänglich zu machen. Dafür braucht es allerdings Menschen, die eine westliche Sprache beherrschen, fundierte Kenntnisse der tibetischen Sprache mitbringen und darüber hinaus über ein tiefes Verständnis der buddhistischen Philosophie verfügen. Das Rangjung Yeshe ist eine der wenigen Institutionen, die interessierte Menschen darin unterstützt, genau diese Fähigkeiten zu erlangen. Wir haben uns für eine Ausbildung am Rangjung Yeshe Institut entschieden, damit wir zukünftig an der Übersetzung dieser kostbaren Texte mitwirken können.

Welchen Nutzen sehen wir darin?

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit vor grossen ökologischen und gesellschaftlichen Herausforderungen steht. Der tibetische Buddhismus ist eine Quelle der Weisheit, von welcher sich gerade in dieser turbulenten Zeit viele Menschen angesprochen und inspiriert fühlen. Die buddhistischen Lehren können uns dabei helfen, uns mitfühlender um unsere Mitmenschen zu kümmern, friedlichere und ausgeglichenere soziale Strukturen zu schaffen, sinnvolle Antworten auf ethische und ökologische Fragen zu finden und gemeinsam globale Lösungen anzustreben. Deshalb wollen wir uns dafür einsetzen, dass der tibetische Buddhismus erhalten bleibt und mehr Menschen in ihrer Landessprache Zugang dazu erhalten können.

Warum brauchen wir finanzielle Unterstützung?

Leider sind unsere Ersparnisse zum heutigen Zeitpunkt zu klein, als dass wir das komplette Studium aus eigener Kraft finanzieren könnten.

Nun drängt sich wahrscheinlich die Frage auf, warum wir nicht erst mit dem Studium beginnen, wenn wir es aus eigener Kraft finanzieren können? Auch wir haben uns mit dieser Frage auseinander gesetzt. Dabei ist uns klar geworden, dass es mehrere Jahre dauern würde, bis wir genügend Geld erarbeitet hätten um das Studium aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Ob wir in einigen Jahren noch die Kraft, die Gesundheit und die günstigen Umstände haben um das Studium zu absolvieren, ist jedoch fragwürdig. Jetzt hingegen bietet sich uns eine einmalige Gelegenheit dazu, denn wir sind beide gesund, hoch motiviert und unsere familiären Umstände lassen ein Studium im Ausland zu. Wie lange diese günstigen Umstände anhalten, wissen wir nicht. Deshalb ist aus unserer Sicht jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Weg zu gehen.